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29.11.2017

Winterstorch in Struppen/Sächsische Schweiz

Wie uns soeben ein Anwohner meldete, rastet auf dem Dach des Schulhortes in Struppen ein Storch, bis vor kurzem waren es noch zwei. Er macht bisher einen gesunden, nicht geschwächten Eindruck. Aufgrund der Witterung und des Nahrungsangebotes braucht man sich keine Sorgen machen. Zufütterung also nur bei sehr stark geschwächten oder verletzten Störchen (Fisch, Rinderhack, Hühnerfilet, vor allem Wasser), da sie Störche sonst dauerhaft das Ziehen verlernen. Viellicht ist ja auch eine Kompostieranlage in der Nähe?

Wir sind gespannt, wie es weitergeht!

Zur Bergung verletzter Störche kann man sich an die Wildvogelauffangstation Dresden-Kaditz, die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt, den Storchenhof Loburg oder den Tierpark Görlitz wenden. Auch das NSI hilft gern beim Koordinieren.

21.11.2017

Auswertung der bisher bekannten Unfall- und Verlustursachen

Dramatische Verluste sind bisher nicht bekannt geworden. Während beispielsweise in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern die Unwetter im Frühjahr zu extremen Einbußen geführt haben, hat Sachsen nach vorläufigen Zählungen „nur“ den Verlust von 5 Altstörchen, 5 flüggen Jungstörchen und 79 Küken zu beklagen, was durchaus im langjährigen Durchschnitt liegt.

Bei den Küken überwiegen Abwürfe infolge Nahrungsmangel mit 48 %. Bedenkt man, dass 3 weitere an Nahrungsmangel verendeten sowie 2 von den Alttieren gefressen wurden (Kronismus), so sind insgesamt fast 60 % der Kükenverluste auf Nahrungsmangel zurückzuführen. Erkrankte/verunglückte Brutvögel, Aspergillose (Pilzinfektion) infolge feuchter Witterung, Abstürze und Fremdkörper im Nest, die zu Strangulationen führen, folgen in der Liste der Unfall- bzw. Todesursachen. Und das, obwohl vor Beginn der Brutsaison zahlreiche Horste von Bindegarn und Plastikmüll gesäubert wurden.

 

unfall nestlinge

Bei den flüggen Jungstörchen waren Abschnürungen durch Angelsehnen oder Plastik im Horst das Hauptproblem, aber auch Unfälle wie Abstürze oder ein Anprall gegen Glaswände bei den ersten Flugübungen. Nach gegenwärtigem Erfassungsstand kam nur ein Jungstorch an einer Hochspannungsleitung zu Tode; sicherlich auch ein Erfolg von Schutzmaßnahmen der Energieversorger!

unfall fluegge

Bei den Altstörchen gab es lediglich je ein Witterungsopfer, einen Unfall am Wildschutzzaun, einer fiel einem Horstkampf zum Opfer und einer einem Kampf mit einem Greifvogel. (Der fünfte verstarb mit unbekannter Ursache.)

unfall ad

03.11.2017/Update 21.11.2017

Erstes Resumee aus dem Direktionsbezirk Dresden/Sächsische Gesamt-Prognose 2017

Nach Eintreffen der Brutergebnisse aus dem Bezirk Dresden (es fehlen nun nur noch die Altkreise Görlitz, Weißwasser sowie der DB Chemnitz) ist es Zeit für ein erstes gesamtsächsisches Resumee: Es kann eine leichte Entwarnung gegeben werden, die von Klaus Döge in der Sächsischen Zeitung vom 31.10.2017 gemeldeten Zahlen aus der Region Grimma (Jza 1,25) stellen neben den Altkreisen Torgau (Jza 1,2) und Niesky (Jza 0,9) den absoluten Tiefpunkt dar. Insgesamt 16 Altkreise weisen eine Jza > = 2 auf.

Spitzenreiter sind Riesa mit 2,2, Kamenz und Sebnitz mit 2,4 und Meißen mit 2,75 Jungen pro Brutpaar. In Übigau im Kreis Bautzen gab es sogar erfolgreich aufgezogene Fünflinge (zuletzt 2014).

Uebigau alle 5 abgeflogen ervolgr. Horst klein

Die Übigauer (Kreis Bautzen) Fünflinge 2017 Foto: Andreas Baumgärtel

Es scheint also, dass die Störche die Brutausfälle der letzten beiden Jahre mit einer höheren Geburtenrate kompensieren. Dramatische Verluste sind bisher auch nicht bekannt geworden. Der Tornado forderte offenbar im DB Dresden keine Opfer. Näheres zu Unfallursachen im vergangenen Jahr folgt in Kürze.

Bisher wurden 267 Brutpaare mit 494 Jungen gezählt. Hochgerechnet auf Sachsen sind also ungefähr ebenso viele Brutpaare wie im Vorjahr (308) zu erwarten, jedoch erheblich mehr Junge (ca. 560 im Vgl. zu 516 im Jahre 2016, wenn man für die fehlenden Kreise die Vorjahreszahlen ansetzt), was eine Jza von 1,8 und damit zwar mehr als in den letzten Jahren (1,6), aber immer noch zu wenig zum Populationserhalt, ergeben würde.

Ein „Winterstorch“ wurde kürzlich in Dresden-Friedrichstadt gesichtet, ob er nur auf dem Durchzug rastet oder es ein spät entschlossener aus der Region ist, lässt sich nicht sagen. Sofern er nicht extrem geschwächt oder verletzt ist, bitte nicht füttern! Er wird sonst an den Standort gebunden und verlernt dauerhaft das Zugverhalten.

Und hier der vorläufige Stand der Erfassungen in den Kreisen:

 

hpa98 17

   
   

jza 98 17

 

Neukreis (2008) Hpa Hpm HPo HE NB>=1 JZG JZa JZm Hpo [%] StD [BP/100km2] Fläche [km2]
Bautzen 64 56 8 0 16 144 2,25 2,57 12,5 2,7 2391
Dresden 5 4 1 0 3 10 2,00 2,50 20,0 1,5 328
Erzgebirgskreis                     1828
Leipzig Stadt 2 2 0 0 1 5 2,50 2,50 0,0 0,7 297
Leipzig Land 36 25 11 0 10 59 1,64 2,36 31,0 2,2 1646
Meissen 69 57 12 1 31 141 2,00 2,47 17,0 4,8 1452
Mittelsachsen                     2111
Görlitz *) 27 15 12 0 2 25 0,93 1,67 44,0 1,3 2106
Nordsachsen 53 42 11 4 12 85 1,6 2,00 21,0 2,6 2020
Sächsische Schweiz 11 10 1 0 1 25 2,27 2,50 9,0 0,7 1654
Vogtlandkreis                     1412
Zwickau incl. Chemnitz                     1170
Gesamt 267 211 56 5 76 494 1,85 2,34 21,0   18438
Hochrechnung 2017 306 242 67     566 1,85 2,34 22 1,65  
Vgl. 2016 308 225 64     516 1,61 2,38 32,1 1,67 18438

 *) Meldung noch ohne die Altkreise Görlitz und Weißwasser (Datenherausgabe via UNB)

19.07.2017

Folgender Artikel unseres Storchenfreundes Andreas Baumgärtel erschien bereits auf Sorbisch in einer Sorbischen Zeitung. Hier die deutsche Version mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung:

Interessantes über die Störche in der Oberlausitz

Sehr zur Freude der Touristen und Besucher des Osterreitens in Radibor haben die Familien Paul und Markus Rötschke vor Ostern in unmittelbarer Nähe des Storchenhorstes an der Scheune in Radibor eine Informationstafel über die Weißstörche angebracht. Interessante Daten kann man dort lesen. In den 43 Jahren der Existenz des Radiborer Horstes waren nur 3 Jahre keine Störche anwesend. In den übrigen 40 Jahren wurden vom Storchenpaar immerhin 60 Jungstörche aufgezogen, welche alle nach Afrika ziehen konnten, bis auf einen, welcher 2014 aus dem Nest gestürzt war und sich den Flügel brach. Dieser Jungstorch wurde nach Görlitz in den Naturschutztierpark gebracht und lebt nun dort.

Des Weiteren kann man an der Tafel lesen, wann die Störche angekommen sind. So steht da auch geschrieben, dass schon seit 4 jahren ein und derselbe Storchenmann-geboren 2009 in Rochlitz mit einem schwarzen ELSA-Ring am Bein (von 2003 - 2015 verwendet)-erfolgreich brütet. 2013 brütete auch ein Storch aus dem Nachbarort Camina (2010 da geboren) in Radibor aber leider nur das eine Jahr!

Sehr interessant ist es, wenn Störche beringt sind! So waren im Jahr 2015 in Quoos zwei beringte Störche, der Mann in Zschillichau 2010 geboren und die Frau aus Strauch nördlich von Großenhain 2007 geboren. Sie war auch 2016 da und ist auch dieses Jahr wiedergekommen, hat aber seit 2016 einen Partner ohne Ring. In Loga war 2015 und 2016 eine Storchenfrau aus Leutewitz bei Riesa (2009 geboren) und 2017 kam eine Storchenfrau aus Werben an der Elbe. Sie wurde aber ohne KÄmpfe nach drei Tagen vertrieben, und somit brütet dieses Jahr ein Paar ohne Ring in Loga. Es gab dort aber schon Kopulationen und somit kann sie Eier legen von verschiedenen Partnern, also sind in einem Nest nicht immer alles richtige Geschwister. In Commerau bei Königswartha haben sich wieder 2 Paare eingefunden, vergangenes Jahr hatte das Paar im südlichen Nest 5 Junge! Fünf Junge hatte auch das freilebende Paar in Gaußig am Gut Sommereichen! Die beringte Storchenfrau (2012 geboren in Wilburgstetten Franken/Bayern) flog beim Zug nicht weit weg und kam nach einer Woche zurück, blieb als Winterstörchin da und wurde liebevoll gefüttert. Dies ist aber nicht gewollt, denn es sollen Wildvögel und vor allem Zugvögel bleiben!

2014 kam in Caßlau erst im Mai ein Storchenpaar an, jedoch zu spät für eine Brut! Ein Storch trug einen schmalen Aluminiumring und kam aus Prag/CZ, Muzeum YC 694. 2016 war es ebenso, da kam im Mai ein Storch aus Steinitz (2013) mit Ring und einem Partner ohne Ring. Weiter westlich in Zerna verließ ein Altstorch, erst nachdem wir beim Beringen 2015 mit der gesponserten Hebebühne den Nestrand erreichten, den Horst. Er flog nur aufs nächste Dach und wider Erwarten entdeckte ich am Fuß unten einen Aluring von 2003, in Zieko/Sachsen-Anhalt beringt. Zwischendurch wurde er nur einmal am Rande der Lüneburger Heide am 13.06.2006 in Hitzacker/Elbe abgelesen. In Nostitz bei Weißenberg kommen die letzten Jahre stets zeitig Störche an, 2017 am 26. Februar der mann als erster und am 03. März die Frau als zweite. Interessant dabei ist, dass schon das 3. jahr diese Storchenfrau mit dem grünen Ring und den nur 3 Buchstaben ATC so früh ankommt. Es bleibt ein Geheimnis, wie alt und woher sie ist und wer sie beringt hat. Im Gewerbegebiet Neschwitz brütet dieses Jahr, wie auch schon 2016, ein Storch aus Neu Lübenau, 2011 geboren.

Ende Mai 2016 hielten sich zwei Schwarzstörche im Teichgebiet nördlich von Radibor auf. Mitte Juni war ein Schwarzstorch mit einem Jungvogel zu sehen, welcher beringt war und 2015 in Ragow/Spreewald beringt wurde.

In der näheren Umgebung brüten Störche in ihren angestammten Horsten und nach dem 10. Mai ist Nachwuchs zu erwarten, den man dann ab Ende Mai auch mal über dem Nestrand sehen kann. Dann werden für die Altstörche viele Regenwürmer und Insekten gebraucht zum Fütter. Erst wenn die Jungen größer sind, verzeheren sie auch einen Frosch, eine Maus, einen kleinen Fisch oder eine Blindscheiche. Alles, was essbar ist, wird dann verfüttert, auch ein Maulwurf oder ein Rehkitz, welches im Hächsler bei der Grasmahd zu Tode kam, wird teilweise zum Futter, da das Biotop mit der intensiven Landwirtschaft (Mais, Raps, Getreide) keine genügende Futtergrundlage für die Störche bietet. Dazu kommen die irrsinnigen EU-Verordnungen zur Mahd der Gewässerschutzstreifen, die erst nach dem 1. Juli erfolgen dürfen, wegen der Bodenbrüter, wo sowieso schon keine mehr sind. Auch diese Flächen sind für Störche nicht nutzbar, weil das Gras zu hoch ist und die Störche an die Gräben nicht mehr herankommen: ein Teufelskreis der Natur.

Fazit: Störche sind nur dort anzutreffen, wo die Nahrungsgrundlage vorhanden ist!

(c) Andreas Baumgärtel, Radibor (leicht gekürzt)

schwarzstorch wartha 10 4 2017 baumgaertel

Teichgebiet Wartha bei Königswartha - auch für Schwarzstörche ein guter Lebensraum

Foto: Andreas Baumgärtel, 10.04.2017

 

Nach 3 Wochen Wartezeit sind seit dem 25.04. Willi und Walli nun komplett und es geht weiter mit Nestbau und hoffentlich bald Brut.

leukersdorf 2017 paar

(c) Silvia Böhm Leukersdorf

 

 

Am 07.04.2017 ist auch in Leukersdorf/Erzgebirge die erste Störchin angekommen, wie uns Anwohnerin Frau Böhm mitteilte. Wahrscheinlich handelt es sich um "Walli", die langjährige Brutstörchin, die fleissig am Nest baut und auf ihren Partner wartet. Nachdem im letzten Jahr ein Brutstorch verunglückte, hoffen wir auf eine gute Saison 2017.

s boehm lekersdorf2                    leukersdorf 2017

 das Brutpaar 2015 (c) Silvia Böhm, Leukersdorf                     ...und hier die eben eingetroffene "Walli" 07.04.2017 (c) S. Böhm

 

 

Nach 6 Jahren Arbeit ist es nun so weit: Das neue Brehmbuch Weißstorch erscheint im April 2017 in der VerlagsKG Wolf mit mehr als 700 Seiten und 200 Abbildungen/Grafiken unter Mitwirkung mehrerer Weißstorchbetreuer, u.a. Jens Frank, Uwe Seidel, Horst Köppler (Fotos bzw. Text), zitierten Arbeiten von Olaf Gambke und Peter Kneis sowie dem Naturschutzinstitut Region Dresden e.V. (Kapitelbearbeitung). Allen Mitwirkenden herzlichen Dank!

brehmbuchs2

 

 

 

 

 

Die nächsten Westzieher sind eingetroffen: Wie uns unser internetloser Storchenfreund Andreas Baumgärtel aus Radibor/Kreis Bautzen meldete, traf am 25.02. das Nostitzer Männchen auf seiner Esse ein, gefolgt vom Weibchen am 03.03.2017. Dieses trägt einen auffälligen grünen Ring mit der Aufschrift "ATC", dessen Herkunft nach wie vor geheimnisvoll ist:

Zwar wurden von 1979 bis Anfang der 80er Jahre Projektstörche in Baden-Württemberg mit grünen Ringen versehen, diese sind jedoch höher und wurden auch niemals ohne Kenntnis der Vogelwarte Radolfzell angelegt. Auch dürfte unser ATC-Storch kaum 37 Jahre alt sein, der sächsische "Methusalem" ist z.Z. 27 Jahre alt. Mittlerweile wurde ein in Niederbayern brütender Storch mit gleicher Ringart und der Aufschrift "HYR" gesichtet. (Dank an Stefan Siegel von der Sächsischen Vogelschutzwarte Neschwitz und Ute Reinhard, Landeskoordinatorin Baden-Württemberg für die Recherche.)

Nostitz ATC kein Geflügelring 35mm

Nostitzer "grüner Ringstorch" ATC Foto: Andreas Baumgärtel

Es folgte am 06.03. H 9477 in Radibor (2009 in Rochlitz geschlüpft und nun schon das 4. Jahr in Radibor.) Im vorigen Jahr hatte er erfolgreich das Weibchen aus Brohna abgeworben.

Auch die Sächsische Zeitung berichtete am 08.03. auf der Bautzner Kreisseite.

Auf die Ostzieher werden wir wohl noch eine Weile warten müssen. Wie durch o.a. Ringablesung belegt, verlagerte sich die Zugscheide im Laufe der Jahre weiter Richtung Osten und führt mittlerweile sogar durch die Lausitz.

   
© Klaus Doege