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19.07.2017

Folgender Artikel unseres Storchenfreundes Andreas Baumgärtel erschien bereits auf Sorbisch in einer Sorbischen Zeitung. Hier die deutsche Version mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung:

Interessantes über die Störche in der Oberlausitz

Sehr zur Freude der Touristen und Besucher des Osterreitens in Radibor haben die Familien Paul und Markus Rötschke vor Ostern in unmittelbarer Nähe des Storchenhorstes an der Scheune in Radibor eine Informationstafel über die Weißstörche angebracht. Interessante Daten kann man dort lesen. In den 43 Jahren der Existenz des Radiborer Horstes waren nur 3 Jahre keine Störche anwesend. In den übrigen 40 Jahren wurden vom Storchenpaar immerhin 60 Jungstörche aufgezogen, welche alle nach Afrika ziehen konnten, bis auf einen, welcher 2014 aus dem Nest gestürzt war und sich den Flügel brach. Dieser Jungstorch wurde nach Görlitz in den Naturschutztierpark gebracht und lebt nun dort.

Des Weiteren kann man an der Tafel lesen, wann die Störche angekommen sind. So steht da auch geschrieben, dass schon seit 4 jahren ein und derselbe Storchenmann-geboren 2009 in Rochlitz mit einem schwarzen ELSA-Ring am Bein (von 2003 - 2015 verwendet)-erfolgreich brütet. 2013 brütete auch ein Storch aus dem Nachbarort Camina (2010 da geboren) in Radibor aber leider nur das eine Jahr!

Sehr interessant ist es, wenn Störche beringt sind! So waren im Jahr 2015 in Quoos zwei beringte Störche, der Mann in Zschillichau 2010 geboren und die Frau aus Strauch nördlich von Großenhain 2007 geboren. Sie war auch 2016 da und ist auch dieses Jahr wiedergekommen, hat aber seit 2016 einen Partner ohne Ring. In Loga war 2015 und 2016 eine Storchenfrau aus Leutewitz bei Riesa (2009 geboren) und 2017 kam eine Storchenfrau aus Werben an der Elbe. Sie wurde aber ohne KÄmpfe nach drei Tagen vertrieben, und somit brütet dieses Jahr ein Paar ohne Ring in Loga. Es gab dort aber schon Kopulationen und somit kann sie Eier legen von verschiedenen Partnern, also sind in einem Nest nicht immer alles richtige Geschwister. In Commerau bei Königswartha haben sich wieder 2 Paare eingefunden, vergangenes Jahr hatte das Paar im südlichen Nest 5 Junge! Fünf Junge hatte auch das freilebende Paar in Gaußig am Gut Sommereichen! Die beringte Storchenfrau (2012 geboren in Wilburgstetten Franken/Bayern) flog beim Zug nicht weit weg und kam nach einer Woche zurück, blieb als Winterstörchin da und wurde liebevoll gefüttert. Dies ist aber nicht gewollt, denn es sollen Wildvögel und vor allem Zugvögel bleiben!

2014 kam in Caßlau erst im Mai ein Storchenpaar an, jedoch zu spät für eine Brut! Ein Storch trug einen schmalen Aluminiumring und kam aus Prag/CZ, Muzeum YC 694. 2016 war es ebenso, da kam im Mai ein Storch aus Steinitz (2013) mit Ring und einem Partner ohne Ring. Weiter westlich in Zerna verließ ein Altstorch, erst nachdem wir beim Beringen 2015 mit der gesponserten Hebebühne den Nestrand erreichten, den Horst. Er flog nur aufs nächste Dach und wider Erwarten entdeckte ich am Fuß unten einen Aluring von 2003, in Zieko/Sachsen-Anhalt beringt. Zwischendurch wurde er nur einmal am Rande der Lüneburger Heide am 13.06.2006 in Hitzacker/Elbe abgelesen. In Nostitz bei Weißenberg kommen die letzten Jahre stets zeitig Störche an, 2017 am 26. Februar der mann als erster und am 03. März die Frau als zweite. Interessant dabei ist, dass schon das 3. jahr diese Storchenfrau mit dem grünen Ring und den nur 3 Buchstaben ATC so früh ankommt. Es bleibt ein Geheimnis, wie alt und woher sie ist und wer sie beringt hat. Im Gewerbegebiet Neschwitz brütet dieses Jahr, wie auch schon 2016, ein Storch aus Neu Lübenau, 2011 geboren.

Ende Mai 2016 hielten sich zwei Schwarzstörche im Teichgebiet nördlich von Radibor auf. Mitte Juni war ein Schwarzstorch mit einem Jungvogel zu sehen, welcher beringt war und 2015 in Ragow/Spreewald beringt wurde.

In der näheren Umgebung brüten Störche in ihren angestammten Horsten und nach dem 10. Mai ist Nachwuchs zu erwarten, den man dann ab Ende Mai auch mal über dem Nestrand sehen kann. Dann werden für die Altstörche viele Regenwürmer und Insekten gebraucht zum Fütter. Erst wenn die Jungen größer sind, verzeheren sie auch einen Frosch, eine Maus, einen kleinen Fisch oder eine Blindscheiche. Alles, was essbar ist, wird dann verfüttert, auch ein Maulwurf oder ein Rehkitz, welches im Hächsler bei der Grasmahd zu Tode kam, wird teilweise zum Futter, da das Biotop mit der intensiven Landwirtschaft (Mais, Raps, Getreide) keine genügende Futtergrundlage für die Störche bietet. Dazu kommen die irrsinnigen EU-Verordnungen zur Mahd der Gewässerschutzstreifen, die erst nach dem 1. Juli erfolgen dürfen, wegen der Bodenbrüter, wo sowieso schon keine mehr sind. Auch diese Flächen sind für Störche nicht nutzbar, weil das Gras zu hoch ist und die Störche an die Gräben nicht mehr herankommen: ein Teufelskreis der Natur.

Fazit: Störche sind nur dort anzutreffen, wo die Nahrungsgrundlage vorhanden ist!

(c) Andreas Baumgärtel, Radibor (leicht gekürzt)

schwarzstorch wartha 10 4 2017 baumgaertel

Teichgebiet Wartha bei Königswartha - auch für Schwarzstörche ein guter Lebensraum

Foto: Andreas Baumgärtel, 10.04.2017

 

Nach 3 Wochen Wartezeit sind seit dem 25.04. Willi und Walli nun komplett und es geht weiter mit Nestbau und hoffentlich bald Brut.

leukersdorf 2017 paar

(c) Silvia Böhm Leukersdorf

 

 

Am 07.04.2017 ist auch in Leukersdorf/Erzgebirge die erste Störchin angekommen, wie uns Anwohnerin Frau Böhm mitteilte. Wahrscheinlich handelt es sich um "Walli", die langjährige Brutstörchin, die fleissig am Nest baut und auf ihren Partner wartet. Nachdem im letzten Jahr ein Brutstorch verunglückte, hoffen wir auf eine gute Saison 2017.

s boehm lekersdorf2                    leukersdorf 2017

 das Brutpaar 2015 (c) Silvia Böhm, Leukersdorf                     ...und hier die eben eingetroffene "Walli" 07.04.2017 (c) S. Böhm

 

 

Nach 6 Jahren Arbeit ist es nun so weit: Das neue Brehmbuch Weißstorch erscheint im April 2017 in der VerlagsKG Wolf mit mehr als 700 Seiten und 200 Abbildungen/Grafiken unter Mitwirkung mehrerer Weißstorchbetreuer, u.a. Jens Frank, Uwe Seidel, Horst Köppler (Fotos bzw. Text), zitierten Arbeiten von Olaf Gambke und Peter Kneis sowie dem Naturschutzinstitut Region Dresden e.V. (Kapitelbearbeitung). Allen Mitwirkenden herzlichen Dank!

brehmbuchs2

 

 

 

 

 

Die nächsten Westzieher sind eingetroffen: Wie uns unser internetloser Storchenfreund Andreas Baumgärtel aus Radibor/Kreis Bautzen meldete, traf am 25.02. das Nostitzer Männchen auf seiner Esse ein, gefolgt vom Weibchen am 03.03.2017. Dieses trägt einen auffälligen grünen Geflügelring mit der Aufschrift "ATC", dessen Herkunft nach wie vor geheimnisvoll ist:

Zwar wurden von 1979 bis Anfang der 80er Jahre Projektstörche in Baden-Württemberg mit grünen Ringen versehen, diese sind jedoch höher und wurden auch niemals ohne Kenntnis der Vogelwarte Radolfzell angelegt. Auch dürfte unser ATC-Storch kaum 37 Jahre alt sein, der sächsische "Methusalem" ist z.Z. 27 Jahre alt. Mittlerweile wurde ein in Niederbayern brütender Storch mit gleicher Ringart und der Aufschrift "HYR" gesichtet. (Dank an Stefan Siegel von der Sächsischen Vogelschutzwarte Neschwitz und Ute Reinhard, Landeskoordinatorin Baden-Württemberg für die Recherche.)

Es folgte am 06.03. H 9477 in Radibor (2009 in Rochlitz geschlüpft und nun schon das 4. Jahr in Radibor.) Im vorigen Jahr hatte er erfolgreich das Weibchen aus Brohna abgeworben.

Auch die Sächsische Zeitung berichtete am 08.03. auf der Bautzner Kreisseite.

Auf die Ostzieher werden wir wohl noch eine Weile warten müssen. Wie durch o.a. Ringablesung belegt, verlagerte sich die Zugscheide im Laufe der Jahre weiter Richtung Osten und führt mittlerweile sogar durch die Lausitz.

   
© Klaus Doege