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Zur Weißstorchansiedlung im Altkreis Geithain


Seit wann der Weißstorch überhaupt das erstmals in unserer Region nachgewiesen wurde, kann man wohl nicht mehr mit Bestimmtheit nachvollziehen. Der wohl älteste Vermerk über das Vorkommen der Weißstörche in unserer Region stammt aus dem Jahr 1885. MEYER & HELM berichten in ihrem „1. Jahresbericht der ornithologischen Beobachtungsberichte im Königreich Sachsen“ von der Anwesenheit in Meusdorf bei Kohren-Sahlis. Die Mitteilung lautete: „In Meusdorf erfolgte der Abflug am 02.09. bei Wind und Regen“. Leider ist hier nicht erkennbar ob es sich dabei um Durchzügler handelt oder um eine Ansiedlung.
Aus den Unterlagen des Nachbarkreises Grimma geht hervor, dass die Anwesenheit von Weißstörchen bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht. Dies lässt schlussfolgern, dass Störche schon immer in unserer Region anwesend waren. Aus diesem Grund liegt die Vermutung schon sehr nahe, dass die Notiz von MEYER & HELM doch eine Ansiedlung gewesen sein könnte. Wenn auch gleich der Abflugtermin sehr spät ist, könnte dies durch eine Schlechtwetterperiode in Verbindung gebracht werden.

Bis Anfang der 30 iger Jahre des 19. Jahrhundert ist der Weißstorch wohl kaum noch eine Erscheinung, da „keine weiteren Eintragungen zu finden“ sind. Möglicherweise hängt dies auch mit dem 1. Weltkrieg zusammen. Eine Notiz vom Stadtanzeiger Bad – Lausick aus dem Jahr 1927 dokumentiert das Eintreffen des Störche. Ab 1934 „häufen“ sich dann die Veröffentlichung in der Presse. So wissen wir erstmals genau das der Standort in Bad – Lausick mit zu den ersten Ansiedlungen zählt.
F. FRIELING notierte für das Jahr 1939 eine Brut im Eschefelder Teichgebiet. Dieses Paar baute auf einem Strohfeim einen Horst und brütete. Warum die 3 erbrüteten Jungstörche später verendetet sind ist leider nicht bekannt. Interessant jedoch ist, dass sich im Zeitraum von 10.05. - 04.08.1939 drei weitere Störche im Teichgebiet aufhielten ( F. FRIELING ). Hier lege der Verdacht auf Horstkämpfe nahe!
Mit dieser vorerst letzten Eintragung wird es still um den Weißstorch. Sicherlich wird auch die politische Lage mit daran schuld sein. Denn nach 1945 gab es für unsere Region keine Brut mehr ( F.FRIELING ). Erst ab 1965 gibt es wieder vereinzelt Sichtbeobachtungen von Einzelstörchen, die sich auch auf den vorhandenen Horstunterlagen für längerer Zeit niederließen.
Dennoch vergingen weitere 12 Jahre, bis 1977 die erste erfolgreiche Brut in Bad-Lausick erfolgte. Ab dieser Zeit wuchs die Population kontinuierlich an. Wenn man die veränderten Landschaftsstrukturen , den großflächigen Feldbau, den schwindenden Grünlandanteil sowie weitere negativ auf den Weißstorch wirkenden Umweltfrakturen berücksichtigt, dürfte der Bestand von max. 10 Brutpaare aus dem Jahr 2000 seinen eigentlichen Höhepunkt erreicht haben.



Ehemalige und gegenwärtige Horstplätze des Weißstorches im Altkreis Geithain

                                    * gegenwärtig besetzte oder regelmäßig besuchte Horste ( 2014 )
                                    ** vorhandene Horstunterlagen die nur selten besucht werden
                                    *** aufgegebene Horststandorte

 

Stadt/ Gemeindeverband     
Ort/ Ortsteil    

Bad Lausick

Bad Lausick    
 
(Schornstein)*
  Buchheim   (Gittermast)***
       
Frohburg Frohburg altes Klärwerk (Gittermast)*
    alte Gärtnerei (Schornstein)*
    Kalkbruch (Stallgebäude)**
    Frohburger Kreuz    (ehem. Zementsilo)***
  Eschefeld   (Strohfeim, Lichtmast zuletzt Betonmast)***
  Kleineschefeld     (Teichhaus, Naturschutzstation)***
  Frauendorf Schmied-Heinze (Gittermast)*
    ehem. Beton-Weber (Funkmast)***
  Streitwald ehem. Pflegeheim (auf Dach)***
  Flößberg   (Gittermast)**
  Frankenhain   (Gittermast)*
  Hopfgarten   (Schornstein)***
  Prießnitz Firma Korndörfer (Schornstein)*
    Rittergut (Schornstein)**
    Milchviehanlage (auf Dach)***
       
Geithain Geithain Mosterei (Schornstein)*
    Altdorf (Schornstein)*
    ehem. Ziegelei (Schornstein)***
  Syhra ehem. Mosterei (Schornstein)*
  Nauenhain   (Gittermast)*
  Wickershain   (Gittermast)***
       
Kohren-Sahlis Jahnshain ehem. LPG (Schornstein)*
  Rüdigsdorf Rittergut (auf Dach)***
  Meusdorf (Standort nicht mehr nachvollziehbar) (?)***
       
Narsdorf Narsdorf (Standort nicht mehr nachvollziehbar) (?)***

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                    Günter Erdmann und Jens Frank

   
© Klaus Doege